Samstag, 25. Juli 2015

Die Bären von Hallo Bay

Nach 4 Tagen (statt der gebuchten 3) sind wir nun wieder zurück aus dem Busch - diesmal aber wortwörtlich. Es war unbeschreiblich. Weder Worte noch Bilder können wiedergeben, wie es ist, selbst da zu sein.
1.Tag
Der Hinflug ging pünktlich um 10.30Uhr bei schönstem Wetter los. Unter uns traumhafte Landschaften. Wir fliegen  über die Kachemak-Bay, an der Nordküste Kodiaks vorbei (da waren wir doch gerade erst...) überqueren die Shelikof Strait an die Küste Katmais. Beim Landeanflug sehen wir unter uns schon etliche Bären in den Wiesen und am Fluss. Die Landung am Strand ist sanft und beim Ausrollen steht vor uns das Begrüßungskomitee in Form einer Bärin mit 2 Jungen. Die Leute des zweiten Flieger haben sich schon neben den Flieger gestellt und bestaunen die Tiere, die anscheinend keine Notiz von uns nehmen. Mist, meine Kamera ist noch in der Reisetasche. Ich filme mit der kleinen Wasserkamera und lerne: nie ohne Kamera und Fernglas!
Im Camp angekommen erfolgt eine kurze Einweisung. Mit uns sind noch zwei Ehepaare gekommen und zwei einzelne Männer. Die perfekte Gruppe - wir verstehen uns auf Anhieb und haben viel Spaß.
Das eine Paar (Anina und Olivier) kommt aus der Schweiz und macht gerade eine 3 monatige Reise durch den Norden Amerikas. Das zweite aus Korsika sind schon einen Tag da, reist am nächsten Tag schon wieder ab und wird ersetzt durch eine Frau aus Homer, die den Tag gewonnen hat. Tom ist 72 und hat schon die halbe Welt bereist,  Bill aus Californien hat einen Sohn, der in San Francisco das Restaurant mit der besten Clamshowder im Brotlaib betreibt.
Lance, ein Naturbursche, wie er im Buche steht, ist unser Guide und leitet mit Hayden, zuständig für alles und Vivian, die kocht,  das Camp. Alle drei sind supernett.
Eine Kleinigkeit hat die Homepage von Hallo Bay allerdings nicht erwähnt. Seit diesem Jahr, seit sie umgezogen sind, weil der Vertrag des alten Gebietes nicht mehr verlängert wurde, gibt es nicht nur keinen Strom mehr und keine Dusche, sondern überhaupt keine Möglichkeit mehr, sich zu waschen (nur Wasser aus der Flasche zum Zähneputzen und Katzenwäsche, was ja noch ok war), sondern das "WC" besteht aus ein paar Büschen und einer Schaufel, mit der man erst Mal ein Loch buddeln muss. Immer mit Augen und Ohren die Gegend scannen, ob nicht gerade ein Bär vorbei kommt. Ich habe versucht, nicht daran zu denken, was ich mache, wenn dann einer plötzlich vor mir steht... Außerdem gibt es Mückenstiche an Stellen, die sonst keine Mücke zu sehen bekommt. Auch im Regen ist diese Sorte Toilette etwas unangenehm. Aber wir gewöhnen uns daran und für die paar Tage ist es zu ertragen. Schon bald machen alle ihre Witze darüber. Nachts bringen mich aber keine 10 Pferde da raus!
 
 
Nachdem wir die Tasche im Zelt abgestellt haben und uns von oben bis unten mit Mückenspray (80% Deet) eingesprüht haben, geht es los. 30 Minuten auf Bärenpfaden durch knie- bis hüfthohes Gras und Fireweedbüsche. Dann die ersten Bären - so nah und auf Augenhöhe. Lance, immer die Hand an dem Leuchtstab (mehr Waffen gibt es nicht), sagt uns, was zu tun ist: Hinsetzen und keine hektischen Bewegungen machen, keine lauten Geräusche. Die Bären gehen sehr dicht an uns vorbei - bis etwa 7 Meter - beachten uns aber scheinbar gar nicht. Vor allem die Bärinnen mit Jungen scheinen unsere Nähe geradezu zu suchen, weil sie wissen, dass ihnen und den Kleinen keine Gefahr von uns droht. Die Sonne scheint, es ist warm und wir sitzen entspannt auf der Wiese und uessen unser Sandwich, während die Bären in einiger Entfernung ebenfalls in aller Ruhe grasen. Das sollte man außerhalb dieser geschützten Gebiete aber auf keinen Fall tun. Immer, wenn Bären Menschen anders begegnet sind und Futter oder Gefahr wittern, werden sie gefährlich. Lance sagt, dann soll man stehen, laut sein und kein Essen in der Nähe haben.
Den ganzen Tag laufen wir herum, folgen den Bären, sehen auch einige fischen - der große Lachsrun ist allerdings noch nicht da. Erst einige Vorboten schwimmen den Fluss hoch. Eine Bärin legt sich 10m von uns entfernt hin und saugt ihre Jungen - ich kann es nicht glauben.
 
 
 
Am Abend dann eine ganze Bärenansammlung am Strand. Wir bleiben bis nach 11 Uhr auf den Kiesel sitzen, es wird kalt, aber wir können uns nicht lösen von den schönen Bildern. 


 

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